Saale zuſammen, und ſchuͤttelten die Koͤpfe und zuckten die Achſeln bei der Bekuͤmmerniß eines ſo guten Mannes, und ſie ſaßen laͤnger am Tiſche und aßen und tranken tuͤchtiger als je, um ſich munter zu erhalten. Die Lage der verwitweten Braut war hoͤchſt beklagenswuͤrdig. Einen Gatten verloren zu haben, ehe ſie ihn umarmt hatte! Und einen ſol⸗ chen Gatten! Wenn ſelbſt das Geſpenſt ſo angenehm und edel ſein konnte, was mußte erſt der lebendige Mann geweſen ſein! 3
Sie fuͤllte das Haus mit ihren Klagen. Am Abend des zweiten Tages ihrer Witwenſchaft hatte ſie ſich mit einer ihrer Tanten, die durchaus bei ihr bleiben wollte, in ihr Schlafgemach begeben. Die Tante, eine der beſten Maͤhrchenerzaͤhlerinnen in Teutſchland, war eben in einer ihrer laͤngſten Ge⸗ ſchichten, und in der Mitte ihrer Erzaͤhlung einge⸗ ſchlafen. Die Kammer lag in einem abgelegenen Theile des Schloſſes und ging in einen kleinen Gar⸗ ten. Das Fraͤulein blickte gedankenvoll auf die Strah⸗ len des aufgehenden Mondes, die auf den Blaͤttern eines Espenbaumes vor dem Gitterfenſter zitterten. Die Schloßglocke hatte eben Mitternacht angekuͤndigt, als eine ſanfte Muſik aus dem Garten herauf toͤnte. Das Fraͤulein erhob ſich ſchnell von ihrem Lager und eilte an's Fenſter. Eine hohe Geſtalt ſtand unter den Schatten der Baͤume, und als ſie ihr Haupt erhob, fiel ein Strahl des Mondes auf ihr Geſicht.


