Man hatte mittlerweile das gemaͤſtete Kalb geſchlachtet, in den Waͤldern hatte der Ruf der Jaͤ⸗ ger wiederhallt, die Kuͤche war mit guten Speiſen angefuͤllt, die Keller hatten ganze Meere von Rhein⸗ wein ergoſſen und ſelbſt das große Heidelberger Faß war in Anſpruch genommen worden. Alles war be⸗ reit, den hohen Gaſt in der echten Weiſe teutſcher Gaſtfreundſchaft zu empfangen; aber der Gaſt ließ auf ſich warten. Eine Stunde verging nach der an⸗ dern. Die Sonne, die ihre ſcheidenden Strahlen auf die uͤppige Waldung des Odenwaldes geworfen hatte, umglaͤnzte nun die Gipfel der Berge. Der Freiherr beſtieg den hoͤchſten Thurm, und ſtrengte
ſeine Augen an, in der Hoffnung, den Grafen und
deſſen Gefolge in der Ferne zu erblicken. Einmahl glaubte er ſie zu ſehen; ein Hoͤrnerton kam aus dem Thale, vom Wiederhall vervielfaͤltigt; ein Haufen von Reitern ritt langſam unten im Thale die Straße hinab, als ſie aber beinahe den Fuß des Berges er⸗ reicht hatten, nahmen ſie ploͤtzlich eine andre Rich⸗
tung. Der letzte Sonnenſtrahl erloſch; die Fleder⸗
maͤuſe flatterten ſchon in der Daͤmmerung, die Stra⸗ ße ward immer finſterer und nichts bewegte ſich dar⸗ auf, als zuweilen ein Landmann, der von ſeinem Tagewerke langſam heim kehrte.
Als man im Schloſſe Landſchort in oolcher Ver⸗ legenheit war, begab ſich in einer andern Gegend des
Odenwaldes ein merkwuͤrdiges Ereigniß.
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