——
4⁴
lich allerlei weibliche Taͤndeleien, verſtand ſich auf die ſchwerſten Taͤnze, ſpielte viele Lieder auf der Harſe und Guitarre, und wußte alle zaͤrtlichen Lieder der Minneſinger auswendig.
Ihre Tanten, die in der Jugend loſe Maͤdchen geweſen waren und viel geliebelt hatten, paßten ganz trefflich zu wachſamen Aufſeherinnen und ſtrengen Tadlerinnen des Betragens ihrer Nichte; denn es gibt ja keine ſo ſtrengzuͤchtige und unerbittlich anſtaͤn⸗ dige Waͤchterinn, als eine verlebte Gefallſuͤchtige. Man ließ ſie ſelten aus den Augen; ſie ging nie uͤber den Bezirk des Burggebietes hinaus, als wenn ſie wöhl begleitet, oder vielmehr bewacht 2 ſie mußte immer Vorleſungen uͤber ſtrenge Si te und unbedingten Gehorſam hoͤren, und die Maͤnner— pah! die ſollte ſie in ſo weiter Entfernung halten und mit ſo mißtrauiſchen Blicken betrachten, daß ſie, wenn man ihr nicht gehoͤrig Erlaubniß dazu gegeben
hätte, auch nicht auf den ſchoͤnſten Mann, und waͤre
er zu ihren Fuͤßen geſtorben, einen Blick geworfen haben wuͤrde.
Die guten Wirkungen dieſer Einrichtung waren zum Verwundern auffallend. Das Fraͤulein war ein Muſter von Gelehrigkeit und Sittigkeit. Waͤhrend
Andere ihre Suͤßigkeit im Glanze der Welt verſchwen⸗
deten, und in Gefahr ſtanden, von jeder Haͤnd ge⸗ pfluͤckt und hhes ni zu werden, erbluͤhte ſie
ſchuͤchtern zu friſcher und holder Jungfraͤulichkeit un⸗
4
8„


