heben. Sie trug die Zierrathen von reinem Golde, die ihre Uraͤltermutter aus Saardam mitgebracht hat⸗ te; den verfuͤhriſchen Bruſtlatz aus der alten Zeit, und dazu ein recht aͤrgerlich kurzes Roͤckchen, um den huͤbſcheſten Fuß und Knoͤchel zu zeigen, die man in der ganzen Gegend nicht beſſer ſah.
Ichabod Kranich's weiches Herz war ganz ver⸗ narrt in die Weiber, und nicht zu verwundern iſt es, daß ein ſo lockender Biſſen bald Gnade in ſeinen Au⸗ gen fand, beſonders als er ihres Vaters Haus beſucht hatte. Der alte Baldus Van Taſſel war ein voll⸗ kommenes Bild eines gedeihlichen, zufriedenen und edelherzigen Landmannes. Er ließ freilich ſeine Au⸗ gen ſelten uͤber die Graͤnzen ſeines Landgutes hinaus gehen, aber innerhalb dieſer Graͤnzen war alles be⸗ haglich, gluͤcklich und wohl eingerichtet. Er war zu⸗ frieden mit ſeiner Wohlhabenheit, aber nicht ſtolz darauf, und wußte ſich mehr mit dem tuͤchtigen Ueber⸗ fluſſe, den er beſaß, als mit ſeiner Lebensweiſe. Sein Sitz lag am Ufer des Hudſon, auf einem jener gruͤnen, wohl geſchirmten, fruchtbaren Fleckchen, wo die niederlaͤndiſchen Landbauer ſo gern ſich einniſten. Das Haus wurde von den breiten maͤchtigen Zweigen eines alten Ulmbaumes uͤberſchattet, an deſſen Fuß ein Quell des mildeſten und ſuͤßeſten Waſſers ent⸗ ſprang, in einen Brunnen, der aus einer Tonne ge⸗ macht war, ſprudelte, und dann ſchimmernd durch das Gras zu einem nahen Bache ſich ſtahl, der ge⸗


