liche Demuͤthigungen, wovon man in andern Lebens⸗ verhaͤltniſſen nichts weiß. Nicht ohne Bangigkeit ſah ich der Zuſammenkunft mit meinem Freunde am an⸗ dern Morgen entgegen. Er hatte ſeiner Frau alles entdeckt.
Und wie ertrug ſie's? fragte ich,
Wie ein Engel. Es ſchien faſt eine Erleichterung fuͤr ihre Seele zu ſein. Sie ſchlang ihre Arme um mich, und fragte, ob dieß alles waͤre, was mich in der letzten Zeit ſo ungluͤcklich gemacht haͤtte. Die Arme! fuͤgte er hinzu: ſie wird die Veraͤnderung nicht ins Werk ſetzen koͤnnen, der wir uns unterwer⸗ fen muͤſſen. Sie hat nur einen allgemeinen Begriff von der Armuth; ſie hat nur in Dichtungen davon geleſen, wo ſich die Liebe dazu geſellt. Bis jetzt fuͤhlt ſie noch keine Entbehrung, und hat noch nichts von den gewohnten Bequemlichkeiten und Annehm⸗ lichkeiten verloren; aber erfahren wir erſt die gemei⸗ nen Sorgen, die elenden Beduͤrfniſſe, die kleinlichen Demuͤthigungen der Armuth— dann erſt beginnt die wahre Pruͤfung.
Aber das Schwerſte iſt uͤberſtanden, Sie haben es ihrer Frau eroͤffnet, und je eher Sie nun der Welt das Geheimniß mittheilen, deſto beſſer. Die Ent⸗ deckung mag wehe thun, aber es iſt nur ein einzel⸗ nes Ungluͤck und bald voruͤber, wogegen Sie ſonſt, im Vorgefuͤhl, es in jeder Stunde des Tages em⸗ pfinden. Es iſt nicht ſowohl die Armuth, als der
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