360
der kindlichen Liebe, der ungewoͤhnlichen, verzweif⸗ lungsvollen Angſt eines ſo jungen ſchoͤnen We⸗ ſens geruͤhrt war, entſchluͤpften einzelne Worte des Mitleidens. 3
Jeder Verſuch, Inez zu beruhigen, und ſie zu bewegen, ſich zu entfernen, war vergeblich, ſo daß man ſie endlich mit Gewalt von ihrem Va⸗ ter loszureißen ſuchte. Dieſe Bewegung erweckte ſie aus ihrer einſtweiligen Betaͤubung. Mit ei⸗ ner ploͤtzlichen Anwandlung von Wuth, entriß ſie einem der Diener ſein Schwert. Ihr Geſicht, das bisher eine Leichenblaͤſſe bedeckt hatte, faͤrbte ſich auf einmal mit der Roͤthe des Zorns, und Feuer ſpruͤhte aus ihren ſonſt ſo ſanften, ſchmach⸗ tenden Augen. Die Wache trat beſtuͤrzt zuruͤck. Es lag etwas in dieſer kindlichen Begeiſterung, dieſer weiblichen, bis zur Verzweiflung geſteigerten Zaͤrtlichfeit, das ſelbſt die verhaͤrteten Herzen der Soldaten ruͤhrte. Sie ſuchten ſie zu beruhigen, aber vergebens. Ihr Auge war ſchnell und ſcharf, wie das der Woͤlfinn, die ihre Jungen vertheidigt. Mit Einem Arm preßte ſie ihren Vater an ihren
Buſen, waͤhrend ſie mit dem andern Jeden be⸗
drohte, der ſich ihr naͤhern wollte.
Die Geduld der Wache war bald erſchoͤpft. Sie war aus ehrerbietiger Scheu, aber nicht aus


