ſen dieſes geiſtvollen Volkes findet. Fünfzig Jahre, ſagte er uns, ſey er ein Schäfer geweſen, doch jetzt ſey er ohne Beſchäftigung und verlaſſen.„Als ich jung war,“ ſagte er,„konnte mich nichts grämen oder beunruhigen; ich war ſtets geſund, ſtets heiter; aber jetzt bin ich 79 Jahre alt und ein Bettler, und mein Muth fängt an mich zu verlaſſen.“
Doch war er noch kein eigentlicher Bettler; erſt neuerlich hatte ihn der Mangel zu dieſer Erniedrigung getrieben; er gab uns ein rührendes Gemälde von dem Kampf zwiſchen Hunger und Stolz, als die äußerſte Noth über ihn kam. Er kehrte von Malaga ohne Geld zurück; er hatte eine Zeit lang nichts gegeſſen, und mußte eine der größten Ebenen Spaniens, wo ſich nur wenige Wohnungen finden, durchwandern. Als er vor Hunger faß verging, hielt er an der Thüre einer Venta(Wirths⸗ haus auf dem Lande) an.„Perdon usted por Dios, hermano“(entſchuldigt uns um Gottes willen, Bruder), war die Antwort— in Spanien die gewöhnliche Art, einen Bettler abzuweiſen.„Ich wandte mich,“ ſagte er,„hinweg, meine Scham war größer als mein Hun⸗ ger, denn mein Herz war noch zu ſtolz. Ich kam an einen Fluß mit hohen Ufern und tiefer, raſcher Strö⸗ mung, und fühlte mich verſucht, hinein zu ſtürzen. Wozu ſoll, ſagte ich mir, ein ſolcher alter, unnützer, un⸗ glücklicher Mann, wie ich bin, leben? Als ich aber an dem Rande des Ufers war, gedachte ich der gebenedeiten Jungfrau und wandte mich ab. Ich reiſte weiter, bis ich in einiger Entfernung von der Straße einen Land⸗ ſitz ſah. Ich trat an das außere Thor des Hofes. Die


