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ich, bei Ausarbeitung der großen Rede des Herzogs von Olmedo im dritten Akt, eine zufällig vorliegende Über⸗ ſetzung derſelben aus einem bairiſchen Blatte(Euterpe) hie und da benützt habe. Dieſe, waohrſcheinlich nach den Auszügen eines franzöſiſchen Journals gefertigt, war in ſechsfüßigen Jamben, enthielt viele Stellen des Originals gar nicht, und andere in beliebiger Zuſam⸗ menziehung: bei einer Vergleichung würde man ent⸗ nehmen, daß meine Benützung eigentlich nur eine Berück⸗ ſichtigung weniger, dem Original recht glücklich nachge⸗ bildeter Sätze war.
Am Schluſſe ſeines Buches bedankt ſich Victor Hugo bei den Schauſpielern des, mit ſeinem Drama neu eröff⸗ neten Renaiſſance⸗Theaters für die überaus gelungene Auffaſſung und Darſtellung ſämmtlicher Charaktere: eine Verpflichtung, welche er in Deutſchland wahrſcheinlich nicht zu erfüllen brauchte. Wenn ich bedenke, wie viel bei Aufführung dieſes Stückes in allen Theilen auf ſorgfältige Charakteriſtik der einzelnen Partien, auf Präciſion und Deutlichkeit dem Zuſchauer gegenüber, endlich aber auf durchgehends pünktliche Beſorgung und Ausführung der ſceniſchen Angaben ankömmt: ſo faßt mich— der ich den Schlendrian der deutſchen Bühnenwelt und ihr ſtereotypes Weſen der Gleichgiltigkeit, Unaufmerkſamkeit und Hand⸗ werkerei kenne,— ſo faßt mich Wehmuth um Victor Hugo's Arbeit, welche in Paris, in einem Theater mit hohen Entreepreiſen, alſo gewiß vor der Elite des Publi⸗
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