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Ruy Blas : Drama in fünf Handlungen / von Victor Hugo. Dt. von C. Dräxler-Manfred
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der Leidenſchaften, mit dem Luſtſpiel die Entwicklung der Charaktere gemein hat. Es iſt ſonach die dritte Form der dramatiſchen Kunſt, die beiden andern in ſich faſſend und bereichernd. Corneille und Moliere würden unab⸗ hängig von einander beſtehen, ſtünde nicht Shakspeare zwiſchen beiden, Corneille die linke, Moliere die rechte Hand bietend. So begegnen ſich die beiden entgegenge⸗ ſetzten Polaritäten der Tragödie und der Comödie, und der Funke, den ihre Berührung erzeugt, iſt das Drama.

Indem der Verfaſſer hier nach ſeinem Einſehen und nach früherer Weiſe Prinzip, Geſetz und Tendenz des Drama's auseinander geſetzt, läugnet er nicht, daß ſeine geringen Kräfte und ſein Scharfblick ihn leicht täuſchen können. Er erklärt, um nicht mißverſtanden zu werden, nicht das was er geleiſtet, ſondern was er leiſten wollte, und zeigt nur den Geſichtspunkt von dem er ausging.

Es ſollen dieſem Buche nur wenige Zeilen voran⸗ geſchickt werden, und es fehlt faſt am Raume für die nothwendigen Erörterungen. Sei es daher geſtattet von dieſen allgemeinen Bemerkungen, welche die Kunſt betra⸗ fen, zu einigen beſonderen zu übergehen, welche das vorliegende Drama Ruy Blas geneigten Gemüthern und ihrer Aufmerkſamkeit von einem gewiſſen Punkte aus empfehlen mögen.

Vorerſt wollen wir uns vom Standpunkte der Philo⸗