aneinander feſſelt) eine Frau oft einen denkenden Geiſt in ſich ſchließt. Dies vorausſchickend und nochmals wieder⸗ holend, man möge unſern Anſichten keine allgemeine abſolute Giltigkeit aufnöthigen, fahren wir fort. Jedermann der die drei genannten Claſſen von Zu⸗ ſehern aufmerkſam ins Auge faßt, wird zugeben, daß alle drei Recht haben. Mit Recht verlangen die Frauen gerührt, die Denker belehrt, die Maſſen überraſcht und unterhalten zu werden. Und auf dieſe giltigen Anſprüche gründet ſich das Geſetz des Drama's. Ja, hinter jener Lampenreihe, welche das Publikum von einer idealen Welt trennt, ſchöpfen und leben machen nach den wohl⸗ beachteten Combinationen von Natur und Kunſt; dort Charaktere und, wie ſchon früher geſagt, wirkliche Menſchen erſchaffen; dieſe Menſchen und Charaktere mit dem Funken der Leidenſchaft beleben, der jene bewege und dieſe ent⸗ wickle,— und endlich aus der Menge von Gebilden und Leidenſchaften im Sinne der göttlichen und irdiſchen Geſetze das Menſchenleben mit ſeinen großen und kleinen Ereigniſſen, mit ſeinen ſchmerzlichen, komiſchen und gräß⸗ lichen Vorfällen hervorgehen laſſen, welche dem Herzen jenes Vergnügen bereiten, das man Intereſſe nennt, und dem Geiſte jene Lehre bieten, die wir Moral heißen:— das iſt die große Aufgabe des Drama's. Man ſieht daraus wie das Drama mit der Tragödie die Zeichnung
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