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Ruy Blas : Drama in fünf Handlungen / von Victor Hugo. Dt. von C. Dräxler-Manfred
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und durch das vorrückende Material der Handlung faſt nur geſtört werden. Das kommt daher, weil die Maſſe von der Bühne herab in Staunen, die Frau in Rührung, der Denker in Betrachtung verſenkt werden will; Alle zwar ſuchen Vergnügen: aber jene für die Augen, dieſe für das Herz, und dieſer für den Geiſt. Darum ſchweben über unſere Bühne auch drei ganz verſchiedene Gattungen dramatiſcher Werke: eine populär und niedriger, die beiden andern vornehm und erhabener, jede davon einer der drei Anforderungen genügend: das Melodram der Maſſe; die Tragödie mit ihrer Anglyſe der Leiden⸗ ſchaften den Frauen; das Luſtſpiel mit ſeinen reinmenſch⸗ lichen und ſocialen Gebilden dem Denker.

Doch ſei hiemit keine allzuſcharfe Abgränzungslinie gezogen, und wir fordern den Leſer ſelbſt auf, dieſer Idee allen damit vereinbaren Vorbehalt zu unterſtellen. Allgemeines läßt immer Ausnahmen zu. Wir wiſſen nur allzuwohl, daß die Maſſe ein großes Ding iſt, worin man alles findet: Inſtinkt für das Gute, wie Geſchmack am Mittelmäßigen, Liebe für das Ideal und Hunger nach Gemeinem. Ferner wiſſen wir auch, daß jeder rechte Denker an den zarten Seiten ſeines Herzens wie eine Frau ſein müſſe; und es iſt uns nicht entgangen, daß(Dank ſei es dem geheimnißvollen Geſetze, das beide Geſchlechter ſo durch Einflüſſe des Geiſtes wie des Körpers