8—
— 10=
gerathen kann; das heißt offenbar, Unordnung, Verſchwen⸗ dung, Bizarrerie, falſchen Geſchmack verlangen. Weit beſſer iſt eine ſchöne und correcte Nacktheit, große ganz einfache Mauern, wie man ſagt, mit einigen keuſchen Verzierungen in gutem Geſchmack; Oven und Voluten, ein Bouquet von Bronze für die Cornichen, eine Wolke von Marmor mit Engelsköpfen für die Decken, eine Flamme von Stein für die Frieſe, und dann wieder die Oven und Voluten. Das Schloß von Verſailles, die place Louis XV, die rue de Rivoli: das iſt's,— Sprecht mir von einer ſchönen nach der Schnur gezogenen Literatur.
Die andern Völker ſagen: Homer, Dante, Shaks⸗ peare. Wir ſagen Boileau.
Aber weiter.
Wenn man darüber nachdenkt, falls es anders der Mühe des Nachdenkens werth iſt, ſo findet man vielleicht die Phantaſie, welche dieſe Orientalen erzeugt hat, weni⸗ ger ſeltſauu. Man beſchäftigt ſich jetzt, und dieſes Reſul⸗ tat verdankt man tauſend Urſachen, die einen Fortſchritt herbei führten, weit mehr mit dem Orient, als man je gethan hat. Die orientaliſchen Studien ſind nie ſo weit getrieben worden. Im Jahrhundert Ludwig's XIV war man Helleniſt, jetzt iſt man Orientaliſt. Ein Schritt vorwärts iſt gethan. Niemals haben ſo viel geiſtige Kräfte zu gleicher Zeit den großen Abgrund, Aſien, durchwühlt. Wir haben heutzutage in jedem Idiom des Orients, von China bis nach Aegypten, einen Gelehrten eingelagert.
22


