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Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
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abgewieſen, und dieſen Auswuchs nicht minder als lite⸗ rariſche, denn als ſociale Tempelſchändung im Keime

erſtickt haben. Wer kann berechnen, was aus der Phi⸗

Bloſophie geworden wäre, wenn die Sache Gottes, durch die Tugend umſonſt vertheidigt, auch durch das Genie verfochten worden wäre?.... Aber Frankreich war nicht ſo glücklich; ſeine Nationaldichter waren faſt alle heidniſche Poeten, und unſere Literatur war eher der Ausdruck einer götzendieneriſchen und demokratiſchen, als einer monarchiſchen und chriſtlichen Geſellſchaft; auch gelang es den Philoſophen in weniger als einem Jahr⸗ hundert, aus den Herzen eine Religion zu vertreiben, welche nicht in den Geiſtern war.

In unſeren Tagen muß es Hauptaufgabe des Dich⸗ ters ſein, das durch die Sophiſten angeſtiftete Unheil wieder gut zu machen. Er muß vor den Völkern einher⸗ gehen, wie ein Licht, und ihnen den Weg zeigen. Er muß ſie zurückführen auf die großen Prinzipien der Ordnung, der Moral und der Ehre; und damit ſeine Gewalt ihnen ſüß ſei, müſſen alle Fibern des Menſchen⸗ herzens, gleich den Saiten einer Leier, unter ſeinen Fingern zittern. Nie wird er das Echo irgend eines Wortes ſein— wenn es nicht des Wortes Gottes iſt. Immer wird er daran denken— was ſeine Vorgänger nur zu ſehr vergeſſen haben!— daß auch er eine Reli⸗ gion und ein Vaterland hat. Ohne Unterlaß werden ſeine Lieder den Ruhm und das Unglück ſeines Landes, die Strenge und die Entzückungen ſeines Cultus feiern, damit