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Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
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wenig Scharfſinn angreift, der anticipirte Ausdruck der religiöſen und politiſchen Geſellſchaft, welche aus ſo vielen alten Trümmern und ſo vielen neuen Ruinen ohne Zweifel hervorgehen wird. Man muß es ſagen und wie⸗ der ſagen: kein Bedürfniß des Neuen quält die Geiſter, ſondern ein Bedürfniß des Wahren, und es iſt uner⸗ meßlich.

Dieſes Bedürfniß zu befriedigen, iſt die Tendenz der meiſten beſſern Schriftſteller der Epoche. Der Ge⸗ ſchmack, welcher in der Literatur eben nichts Anderes, als die Autorität iſt, hat ſie gelehrt, daß ihre Werke, wie dem Weſen, ſo auch der Form nach wahr ſein müſ⸗ ſen, und durch Befolgung dieſer Lehre haben ſie die Poeſie einen Schritt vorwärts thun laſſen. Die Schrift⸗ ſteller anderer Völker und Zeiten, ſelbſt die bewunderns⸗ würdigen Dichter des großen Jahrhunderts, haben, in der Ausführung, nur zu häufig das Prinzip der Wahr⸗ heit vergeſſen, wodurch ſie ihr Gedicht in's Leben riefen. In ihren ſchönſten Stellen findet man häufig Einzeln⸗ heiten, welche von, dem Gegenſtande durchaus fremden, Sitten, Religionen oder Epochen entlehnt ſind. So z. B. die Uhr, welche, zum großen Amuſement Voltaire's, dem Brutus Shakſpeare's die Stunde angibt, in welcher er Cäſar'n tödten ſoll, dieſe Uhr, die, wie man ſieht, lange vorher da war, ehe es Uhrmacher gab finden wir ſie nicht in einer glänzenden Beſchreibung der Götter des Alterthums wieder, in der ſie Boileau an die Seite der Zeit ſtellt? Das Geſchütz, womit Cal⸗