Druckschrift 
Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
Einzelbild herunterladen

worin ſich die Gemüther befinden, iſt Reden gefährlicher noch, als Schweigen; wenn es ſich aber darum handelt, Licht zu geben und zu empfangen, ſo muß man ſehen, wo die Pflicht, und nicht, wo die Gefahr iſt; er ergibt ſich alſo in ſein Schickſal. Ohne Bedenken wird er die gefürchtetſten Fragen verhandeln; und wie das theba⸗ niſche Kind wird er die Löwenhaut zu ſchütteln wagen.

Zuerſt denn, um dieſer unparteiiſchen Diskuſſion, in der er das Licht mehr ſucht, als bringt, einige Würde zu geben, verwirft er alle dieſe conventionellen Kunſt⸗ wörter, welche ſich die Parteien gegenſeitig wie leere Bälle zuwerfen, dieſe Zeichen ohne Bedeutung, dieſe Ausdrücke ohne Ausdruck, dieſe leeren Worte, die Jeder nach dem Bedürfniß ſeines Haſſes oder ſeiner Vorur⸗ theile auslegt, und die nur denen als Gründe dienen, welche keine Gründe haben. Was ihn betrifft, ſo weiß er wirklich nicht, was klaſſiſches und was roman⸗ tiſches Genre ſagen will. Der Meinung einer geiſt⸗ reichen Frau zufolge, welche das Wort romantiſche Literatur zuerſt in Frankreich ausgeſprochen hat, trifft dieſe Eintheilung mit den beiden Haupt⸗Aeren der Welt, mit der, welche der Stiftung des Chriſtenthums vorausging, und mit der, welche ihr folgte, zuſammen*). Dieſe Erklärung buchſtäblich genommen, müßte das ver⸗

*) De 1'Allemagne,