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Oden und vermischte Gedichte / Victor Hugo. Dt. von Ferdinand Freiligrath
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VI

ernſte Betrachtungen gewöhnten, in den Dingen mehr als die Dinge zu ſehen. Die ſchönſten Werke der Dicht⸗ kunſt jeglicher Gattung, in Verſen und in Proſa, welche unſerm Jahrhundert zur Ehre gereichen, haben die vor⸗ her kaum geahnete Wahrheit enthüllt, daß die Poeſie nicht in der Form der Ideen, ſondern in den Ideen ſelbſt beſteht. Die Poeſie iſt Alles, was es Tiefes in Allem gibt.

Heute iſt es dem Verfaſſer wohl erlaubt, dieſen wenigen Zeilen einige andere Bemerkungen über den Zweck hinzuzufügen, welchen er, als er dieſe Oden ſchrieb, vor Augen hatte.

Ueberzeugt, daß jeder Schriftſteller, in welcher Sphäre auch ſein Geiſt ſich bewege, es ſich vor Allem angelegen ſein laſſen müſſe, Nutzen zu ſtiften, und in der Hoffnung, daß man ihm, in Rückſicht auf eine ehren⸗ werthe Intention, das Gewagte ſeiner Verſuche verzeihen werde, hat er ſich bemüht, einige derjenigen großen Erinnerungen unſrer Epoche zu feiern, welche der Nach⸗ welt zur Lehre gereichen können. Er hat, um dieſe Er⸗ eigniſſe zu verherrlichen, die Form der Ode gewählt, weil ſie es war, in der ſich ehemals die Inſpirationen der erſten Dichter den erſten Völkern mittheilten.

Inzwiſchen ſchien die franzöſiſche Ode, welcher man allgemein Kälte und Monotonie vorwirft, wenig geeignet zur Wiederaufzeichnung deſſen, was die letzten dreißig Jahre unſrer Geſchichte Rührendes und Schreckliches,