mir mein Freund, der Stiftsälteſte von San Marco neulich mitſammt einem Briefe zuſchickte, den ich Euch zeigen will, häßlicher Eiferſüchtler! ja denkt nur: den Brief begleitete noch gar ein Geſchenk! Angelo. Wie? Tisbe. O, ein ächt venezianiſches Geſchenk!— Eine Büchſe, welche zwei Fläſchchen enthält, ein weiſ⸗ ſes und ein ſchwarzes. Das weiße umſchließt ein äußerſt wirkſames narkotiſches Mittel, welches zwölf Stunden lang einen dem Tode ähnlichen Schlaf erzeugt; in dem ſchwarzen befindet ſich Gift, jenes entſetzliche Gift, welches Malaſpina den Pabſt in einer Aloée⸗Pille einnehmen ließ;— Ihr wißt doch? Der Stiftsälteſte meinte in ſeinem Briefe, es könnte bei Gelegenheit ſeine Schuldigkeit thun.— Eine Galanterie, wie Ihr ſeht!— Uebrigens unterrichtete mich der ehrwürdige Herr Stifts⸗ älteſte, daß der arme Schelm, der mir den Brief und das Geſchenk brachte, ein Blödſinniger ſei.— Er iſt hier und Ihr müßt ihn ſeit 14 Tagen in der Spei⸗ ſekammer eſſen, im nächſten beſten Winkel ſchlafen ge⸗ ſehen haben; er ſpielt und ſingt nach ſeiner Weiſe, und erwartet, von hier nach Vicenza zu gehen; von Vene⸗ dig kommt er. Ach!— meine Nutter wanderte auch ſo von Ort zu Ort. Ich werde ihn behalten, ſo lang er will. Er unterhielt dieſen Abend einige Zeit lang di Geſellſchaft. Unſer Feſt macht ihm Langeweile, er ſchlaft. Das Alles iſt ſehr einfach.
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Angelo, Tyrann von Padua. Marion de Lorme / [Victor Hugo]. Dt. von Eduard Duller ...
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