Druckschrift 
Der letzte Tag eines Verurteilten. Mirabeau. Voltaire, Walter Scott, de La Mennais, Lord Byron / [Victor Hugo]. Übers. von W. Wagner ...
Einzelbild herunterladen

— 257—

Wenn es ſein muß, ſo ſteht ſie nicht an, ſich in die öf⸗ fentlichen Zerwürfniſſe zu miſchen, um ſie zu richten oder zu unterdrücken. Denn wir leben nicht mehr in der Zeit der Hirtengedichte, und die Muſe des neunzehnten Jahrhunderts kann nicht ſagen:

Non me agitant populi fasces, aut purpura regum.

Indeß, dieſe Literatur hat, ſelbſt in ihrer Einheit, wie alle menſchlichen Dinge, ihre Licht⸗ und Schatten⸗ ſeite. Zwei Schulen haben ſich in ihrer Mitte gebildet, welche die zwiefache Lage veranſchaulichen, in die unſer politiſches Unglück die Geiſter verſetzt hat, ich meine die Reſignation und die Verzweiflung. Alle beide erkennen das an, was eine ſpöttiſche Philoſophie geläugnet hatte, die Ewigkeit Gottes, die Unſterblichkeit der Seele, die Grund⸗ und geoffenbarten Wahrheiten; aber die eine, um ſie anzubeten, die andere, um ihnen zu fluchen. Jene ſieht Alles von der Höhe des Himmel, dieſe aus der Tiefe der Hölle. Jene ſetzt an die Wiege des Men⸗ ſchen einen Engel, den er noch am Sterbebette zu ſeinem Haupte ſitzen ſieht; dieſe umgibt ſeine Schritte mit Da⸗ monen, Fantomen und unheilbringenden Erſcheinungen. Jene räth dem Menſchen, ſich ſelbſt zu vertrauen, weil er nie allein iſt; dieſe erſchreckt ihn, indem ſie ihn fort⸗ während iſolirt. Beide beſitzen in gleichem Maße die Kunſt, angenehme Scenen zu entwerfen und ſchreckliche Figuren zu zeichnen; aber die erſtere, ſtets fürchtend,

IV.. 17