Teil eines Werkes 
10.-12. Bdchen (1829)
Einzelbild herunterladen

Jahr 1510 einen unabhaͤngigen Gerichtshof in San Do⸗ mingo einſetzte, an welchen man von allen Entſcheidungen des Admirals appelliren konnte, ſelbſt in Faͤllen, die fruͤher ausſchließlich der Krone vorbehalten waren. Don Diego ſah dies als eine argwoͤhniſche und beleidigende Maßregel an, die darauf berechnet ſey, ſeine Macht zu untergraben.

Freimuͤthig, offen und ohne Argwohn, war der junge Admiral nicht zu einem Streit mit den liſtigen Politikern gemacht, die ſich feindlich gegen ihn aufſtellten und darauf lauerten, ſeine kleinſten Fehler zu mißdeuten und ſie in Ver⸗ brechen zu verwandeln. Man haͤufte Schwierigkeiten auf ſeinen Weg, die er zu beſiegen unmoͤglich fand. Er hatte ſein Amt mit den hochherzigſten Abſichten angetreten, ent⸗ ſchloſſen, den Unterdruͤckungen ein Ziel zu ſetzen und alle Mißbraͤuche abzuſchaffen. Jeder Rechttiche hatte fch uͤber ſeine Ernennung gefreut. Aber bald mußte er finden, daß er ſich in ſeiner Faͤhigkeit verrechnet und alle ihn erwarten⸗ den Hinderniſſe zu klein angeſchlagen habe. Er urtheilte

nach ſelnem eignen guten Herzen und hatte keinen Begriff

von der Schlechtigkeit der Menſchen. Er widerſetzte ſich denRepartimientos der Indianer, dieſer Quelle aller Arten von Unmenſchlichkeiten, aber er fand, daß alle reichen Leute auf der Colonie und die meiſten wichtigen Perſonen des Hofes ſich fuͤr ihr Fortbeſtehen intereſſirten. Er fand, daß der Verſuch, ſie abzuſchaffen, gefaͤhrlich und das Reſul⸗ tat zweifelhaft ſeyn werde: zugleich war dieſe Ungerechtig⸗

keit eine Quelle ungeheuern Gewinns fuͤr ihn ſelbſt. Eigen⸗

nutz verband ſich daher mit den anderen Ruͤckſichten, und

4