— 401— nung! Seine Rede war rein und bewacht, frei von allen Verwuͤnſchungen, Schwuͤren und anderen ungebuͤhrlichen Auedruͤcken. Alle ſeine großen Unternehmungen wurden im Namen der helligen Dreifaltigkeit ausgefuͤhrt und er nahm ſtets das heilige Abendmahl vor der Einſchiffung. Die Feſttage der Kirche wurden von ihm in den groͤßten Wild⸗ niſſen gefeiert. Der Sonntag war ihm ein Tag heiliger Ruhe, an welchem er nie aus einem Hafen wegſegelte, außer in der groͤßten Noth. Er glaubte feſt an die Wirkung von Geluͤbden, Bußuͤbungen und Wallfahrten, und nahm in Zei⸗ ten der Drangſale und Gefahren zu ihnen ſeine Zuflucht; aber er ging in ſeiner Religioſitaͤt noch weiter, und leider wurde ſeine Froͤmmigkeit von der Bigotterie des Zeitalters verdunkelt. Er bekannte ſich offen zu der Anſicht, daß alle Nationen, welche nicht den chriſtlichen Glauben bekennten, der natuͤrlichen Rechte beraubt ſeyen; daß man die haͤrte⸗ ſten Maßregeln zu ihrer Bekehrung brauchen und die ſtreng⸗ ſten Strafen uͤber ihr halsſtarriges Verharren im Unglau⸗ ben verhaͤngen koͤnne. In dieſem Geiſte der Bigotterie hielt er ſich fuͤr berechtigt, die Indianer zu Gefangenen zu ma⸗ chen und ſie nach Spanien zu transportiren, um ſie in den Lehren des Chriſtenthums unterrichten zu laſſen, ſie auch als Sclaven zu verkaufen, wenn ſie ſeinen Eroberungen wi⸗ derſtaͤnden. Indem er das Letztere that, ſundigte er gegen die natuͤrliche Herzensguͤte ſeines Charakters und gegen die Gefuͤhle, welche er urſpruͤnglich dieſem ſanften und gaſt⸗ reundlichen Menſchenſtamme widmete; allein er ward von
der gewinnſuͤchtigen Ungeduld der Krone und von dem Spott.
Irving's Columbus. 7—9. 26


