Teil eines Werkes 
4.-6. Bdchen (1828)
Einzelbild herunterladen

30

des Columbus zwiſchen den caraibiſchen Inſeln, deren un⸗ baͤndige wilde Bewohner ein Gegenſtand der ungeduldigſten Wißbegierde fuͤr die Gelehrten Europa's wurden, da man aus den Berichten dieſer Reiſenden entnahm, daß ſie eine dunkle und zweifelhafte Frage zum Nachtheil der Menſch⸗ heit entſchieden. Peter Martyr ſchreibt in ſeinem Briefe an Pomponius Laͤtus die Neuigkeit mit ſchauderndem Ernſte: Die Erzaͤhlungen von den Leſtrigonen und von Polyphem ſind nicht laͤnger zweifelhaft! Hoͤre, aber gib acht, daß dein Haar ſich nicht vor Entſetzen ſtraͤubt!

Daß viele von den Schilderungen, die uns von dieſem abnormen Geſchlecht uͤberliefert ſind, durch die Furcht der Indianer und die Vorurtheile der Spanier grellere Farben erhalten haben, iſt kaum zu bezweifeln. Dieſe Voͤlkerſchaft war ſtets der Schrecken der erſteren geweſen und war der tapfere und beharrliche Feind der letzteren geworden. Die Beweiſe von ihrer unmenſchlichen Liebhaberei koͤnnen bei den gewoͤhnlichen ſorgloſen und unbeſtimmten Bemerkungen der Seefahrer und bei der Vorausſetzung der Thatſache bei den Spaniern nur mit großem Mißtrauen angenommen werden. Es war eine Sitte bei den Eingebornen vieler Inſeln und Laͤnder der neuen Welt, die Ueberreſte ihrer derſtorbenen Verwandten und Freunde aufzuheben, zuweilen den ganzen Leichnam, zuweilen auch nur den Kopf oder andere Gliedmaßen, am Feuer gedoͤrrt, oft auch die bloßen Knochen. Als man dieſe nun in den Wohnungen auf His⸗ paniola, gegen welche man keinen ſolchen Verdacht hegte, vorfand, betrachtete man ſie lediglich als Reliquien der Ver⸗