Gebrauch ſey, dieſe jungen Gefangenen zum MannesNalter heranreifen zu laſſen, ſie fuͤr ihre Feſte fett zu machen und ſie ihrer Mannheit zu berauben, um ihnen ein zarteres und wohlſchmeckenderes Fleiſch zu geben.*) Es liegt etwas ſo empoͤrendes fuͤr die menſchliche Natur in dem Gedanken die⸗ ſes Cannibalismus, daß wir gern ſolche Berichte den Miß⸗ verſtaͤndniſſen, Mißdeutungen und Fabeln der Seefahrer zu⸗ ſchreiben moͤchten, aber ſie werden zu ernſtlich von achtungs⸗ werthen Schriftſtelern beſtaͤtigt, und ſind zu merkwuͤrdig an ſich, um mit Stillſchweigen uͤbergangen zu werden.
Columbus war nun in Verlegenheit, welche Richtung er nehmen ſollte. Gern haͤtte er ſich geeilt, nach Hispaniola zu kommen, um ſich des Schickſals ſeiner Gefaͤhrten zu verſichern, die er dort gelaſſen hatte; jeder Aufſchub war ihm daher laͤſtig. Ohne dieſe Maͤnner jedoch wegzufahren, vorausgeſetzt, daß ſie noch am Leben ſeyen, wuͤrde ſie einem grauſamen Tode in den Haͤnden der Cannibalen uͤberliefert haben. Ein Schiff mit Mannſchaft in der Hoffnung ihrer Ruͤckkunft zuruͤckzulaſſen, war gefaͤhrlich bei den tauſend moͤglichen Zufaͤllen an dieſen wilden Kuͤſten und unerforſch⸗ ten Meeren. In dieſer zweifelhaften Lage erbot ſich Alonzo de Ojeda, der naͤmliche waghalſige junge Ritter, von wel⸗ chem das Wageſtuͤck auf dem Domthurme zu Sevilla erzaͤhlt wurde, mit vierzig Leuten in's Innere der Inſel zu drin⸗ gen, und alle Waͤlder nach den Vermißten zu durchſuchen.
*) Brief des Dr. Chanca. Peter Martyr, 147. Brief. Hist. del Almirante, cap. 46. 3


