Teil eines Werkes 
3. Theil (1827)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

294

in der Thuͤre beim Meiſter Teroels. Sie hatte mich nur gerufen, um mir das Ungluͤck des Bru⸗ ders zu erzaͤhlen und um mich zu fragen, ob Ihr nicht heut Abend in die Vesper kaͤmet; ſie moͤchte Euch ſo herzlich gern wiederſehen, allein ſie wuͤrde ſich keiner Mutterſeele zu erkennen ge⸗ ben, und ich mußte ihr verſprechen, wie eine Mauer zu ſchweigen; ſie erzaͤhlte mir mit hellen Thraͤnen, daß ſie keinen andern Rath in der Welt fuͤr den Bruder wuͤßte, als in die Kirche zu gehen und fuͤr ihn zu beten. Ach, ach!

Gieb mir den Mantel, Marthe! begleite mich nach der Kirche; warum haſt Du mir das nicht ſogleich geſagt?

Ich hatte ja Schweigen gelobt, Herzens⸗ Rigmorchen! auch dachte ich wohl, daß Ihr als ein frommes Chriſtenkind nicht das Ave verſaͤumen wuͤrdet. Sie warf nun der Jungfrau den ſtatt⸗ lichen Mantel um, und begleitete ſie. Jungfrau Kirſtine moͤchte Euch ſo herzlich gern ſprechen, fuhr ſie fort;vielleicht iſt's auch nicht ſo ſchlimm

mit dem Bruder, daß er nicht noch hergeſtellt wer⸗

den kann, wenn wir nur alle herzlich fuͤr ihn be⸗ ten, und das werdet Ihr gewiß auch gern thun,