vollbringen; ihm war es erwünſchter, ſie unter den Hän⸗ den des Henkers, als denen des Kapitäns, zu erblicken. Doch litt er ſo tiefen Schmerz, daß er oft Büſchel von Haaren ſich ausriß, zu ſehen, ob ſie ergrauten.
Da quälte ihn der Gedanke, jetzt ſei vielleicht der Augenblick, wo die ſcheusliche Kette, die er am Morgen erblickte, die ſcheusliche Schleife, den ſchönen, ſchlanken Hals zuſchnürte. Schweiß drang aus allen ſeinen Poren. Dann lachte er wieder teufliſch, wann er bedachte, wie er Esmeralda am erſten Tage heiter, ſorglos, geputzt, tanzend, geflügelt, und an ihrem letzten Tage im Hemd erblickte, wie ſie langſam, mit nackten Füßen, die dop⸗ pelte Leiter des Galgens hinaufſtieg. Dies doppelte Bild dachte er ſich in ſolcher Weiſe, daß er einen furchtbaren Schrei ausſtieß.
Während dieſer Orkan der Verzweiflung ſeine Seele zerbrach, zerriß und niederbeugte, beſchaute er rings um ſich die Natur. Zu ſeinen Füßen durchſuchten Hühner pickend ein Geſträuch, ſtrahlende Käfer erhoben ſich zur Sonne, über ſeinem Haupte flohen graue Wolken am Himmel vorüber; die Thurmſpitze der Abtei St. Vik⸗ tor ſtrebte vom ſchiefernen Obelisk empor; ein Müller betrachtete pfeifend, wie die arbeitenden Schwingen ſei⸗ ner Mühle ſich regten. Dies thätige, geordnete, ruhige Leben erweckte auf's Neue ſeinen Schmerz; er ſtürzte weiter.
Bis zum Abend durchrannte er das Feld. Dieſe


