— 274—
Dies geſchah mit ſolcher Schnelle, daß, ware Nacht — geweſen, man Alles beim Lichte eines Blitzes hätte ſchauen können..
„Freiſtatt! Freiſtatt!“ rief das Volk. Zehntauſende klatſchen in die Hände und Quaſimodo's einziges Auge funkelte vor Freude und Stolz.
Dieſer Lärm erweckte die Zigeunerin aus ihrer Betäubung. Sie ſchlug ihr Auge auf und beſchaute Quaſimodo, ſchloß es aber ſogleich wieder, als ſcheue ſie ſich vor ihrem Retter.
Charmolue, die Henker, die Wache ſtanden erſtaunt da. In den Mauern von Notre⸗Dame war die Verur⸗ theilte unverletzlich. Die Kathedrale war eine Freiſtatt. Jegliche Gerechtigkeit der Menſchen erſtarb auf ihrer Schwelle.
Quaſimodo blieb unter dem Portale ſtehen. Seine breiten Füße ſchienen auf dem Pflaſter der Kirche ſo feſt zu wurzeln, wie die römiſchen Pfeiler. Sein dickes, haariges Haupt ſaß zwiſchen ſeinen Schultern, wie der Kopf der Löwen, die auch keinen Hals und Mähnen haben. Das zitternde Madchen hielt er in ſeinen ſchwie⸗ ligen Händen wie eine weiße Drapperie; er hielt ſie aber mit ſo viel Vorſicht, daß er zu fürchten ſchien, er möchte ſie zerbrechen oder knicken. Es ſchien, als ob er fühle, ſie ſei ein zartes, köſtliches Spielwerk, für andre Hände, wie fur die ſeinigen, geſchaffen. In einzelnen Augenblicken ſchien es, als wage er ſie nicht einmal mit ſeinem Hauche


