Frollo es erfahren. Mehrere gewichtige Perſonen behaup⸗ teten, nachdem er das Fas menſchlichen Wiſſens erſchöpft habe, habe er gewagt, in das Nefas zu dringen. Allmäh⸗ lich, hieß es, hatte er alle Aepfel vom Baume der Erkennt⸗ niß gekoſtet, und zuletzt in die verbotene Frucht gebiſſen. Allmählich nahm er, wie unſre Leſer ſahen, Antheil an den Konferenzen der Theologen in der Sorbonne, au den Verſammlungen der Graduirten in den freien Kün⸗ ſten bei'm Bilde St. Hilaire, an den Disputatorien der Dekretiſten beym Bilde St. Martin, an den Kongrega⸗ tionen der Aerzte bei'm Weihkeſſel unſrer Frau, ad cu- pam nostrae Dominae. Alle erlaubten und gebilligten Gerüchte dieſer vier großen Küchen, genannt die vier Fakultäten, wurden von ſeiner Intelligenz bearbeitet und verſchlungen; da kam die Sättigung, bevor der Hunger geſtillt war. Da grub er tiefer noch unter dieſer mate⸗ riellen, begrenzten Wiſſenſchaft, wagte vielleicht ſeine Seele, und ſetzte ſich in der Höhle an die geheimniß⸗ volle Tafel der Alchimiſten, Hermetiker, Aſtrologen, deren Ehrenplatz Averroes, Guillaume de Paris und Nicolas Flamel im Mittelalter einnahmen, die aber bis zum Orient an den Schein des ſiebenarmigen Leuchters, bis Salomo, Zoroaſter und Pythagoras hinaufreicht. So hieß es wenig⸗ ſtens, vielleicht mit Recht, vielleicht mit Unrecht. Es war wenigſtens gewiß, daß der Archidiakonus den Kirchhof des Innocents oft beſuchte, wo allerdings ſeine Aeltern mit andern Opfern der Peſt von 1466 beerdigt lagen;
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


