Stkizzen aus Spanien. 257
Sie ſchöpfte tief Athem, drückte beide Hände auf ihr Herz und ſagte in ihrem vorigen Ton: eiſt ſie todt?“ Ich nickte bejahend. Rafaela eilte hinaus und ließ mich ein Paar Minu⸗ ten in peinlicher Spannung, was ich begin— nen ſolle, allein. Bald aber kehrte ſie zurück und jede Spur außerordentlicher Bewegung war verſchwunden, ich kann nicht einmal ſa⸗ gen, daß ihr Ausdruck noch ſteinerner war als vorher. Sie fragte nach den nähern Um⸗ ſtänden, die ich ihr mittheilte, ſoweit es mir nöthig ſchien, ohne daß ſie den ganzen Ab⸗ grund dieſes Jammers zu ermeſſen brauchte. Conchita war mehre Wochen in einem Hospi— tal geweſen und an einer Bruſtkrankheit ge— ſtorben— ſie ſollte in geweihter Erde, einem katholiſchen Begräbnißplatz beerdigt werden. Ich nannte ihr Zeit und Ort— ich hatte dafür geſorgt, daß die Ihrigen die L iche nicht im Hospital, ſondern in der Begräbnißkapelle finden ſollten. Nachdem ich mit meinem Be⸗ richte fertig war, reichte Rafaela mir die Hand, zeigte mit der andern gen Himmel und ſagte:«er wird's vergelten, was Ihr an der armen Kleinen thatet.“ Ich hatte eigentlich hier nichts mehr zu ſchaffen.— Helfen konnte ich dieſen Menſchen nicht.— Ein Almoſen wäre ein Tropfen Waſſer in eine Hölle ge⸗ weſen. Tröſten! Ich empfand in dieſem Au⸗ genblick die Nichtigkeit menſchlicher Troſt⸗ worte. Als ich einige der gutgemeinten Ge⸗ meinplätze anbringen wollte, ſah mich Rafaela fragend, faſt neugierig an, als wollte ſie
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