256 Skizzen aus Spanien.
ſie ſchon von ihren Schmerzen befreit hätte, ohne doch zugleich den Ausdruck, die Spuren deſſelben vertilgen zu können. Ihre großen Augen ſtrahlten in einem ſeltſamen, faſt un⸗ heimlichen Glanz. Ihre Haltung war feier⸗ lich, ihre Bewegungen langſam und doch ſcharf, ihre Stimme war ruhig, milder als damals oder vielmehr ausdruckslos, klanglos, wie vor Ermüdung. Sie ſchien einen Augenblick zu erwarten, daß ich die Urſache meines Hier— ſeins ausſpreche; da ſie aber meine Verlegen- heit bemerkte, hub ſie wieder an:„Ihr ſucht ohne Zweifel meinen Vater. Er iſt ausge⸗ gangen und kommt vielleicht erſt ſpät wieder — er bleibt oft lange weg— Geſchäfte— ein Geſchäft— er hat Erkundigungen einzuziehen — ich bin ſeinetwegen nicht beſorgt— er findet ſich leicht zurecht— er ſpricht das Engliſche hin⸗ reichend um zu fragen— er hat mir ausdrücklich geboten hier zu bleiben, ihn zu erwarten, wenn er auch noch ſo lange ausbliebe.“ Sie hatte zuletzt mehr zu ſich ſelbſt, als zu mir geſpro— chen, gleichſam ihren eignen ſchlimmen Ah- nungen begegnend.»Ich habe allerdings Ihrem Vater eine Nachricht mitzutheilen— leider geht ſie ſeine Tochter eben ſo nah an und wenn Ihr gefaßt ſeid, Seüora Doña Rafaela» —— eGefaßt!“—— unterbrach ſie mich und ein leichtes, bitteres Lächeln flog über ihre ſtarren Züge, dann ſah ſie mich fragend an. «Ihre Schweſter»—— fuhr ich zögernd fort. Eine dunkle Röthe übergoß ihr blaſſes Ge⸗ ſicht und verſchwand eben ſo ſchnell wieder.


