394 Skizzen aus Spanien.
und laut ſchluchzend wandte er ſich ab. Dolo⸗ res oͤffnete noch einmal die Augen, murmelte leiſe:«Chriſtoval!» und ein leichtes Zucken ver⸗ rieth, daß ſie ausgelitten hatte. Ein ſchmerzliches Laͤcheln ruhte um ihren Mund, ihre noch eben von toͤdtlicher Blaͤſſe uͤberzogenen Wangen leuch⸗ teten noch einmal auf in einem roſigen Glanz.
Es herrſchte ein Augenblick tiefen Stillſchwei⸗ gens unter der verſammelten Menſchenmenge, nur von dem Schluchzen der Frauen unterbrochen. Alle heftigen, feindlichen Leidenſchaften, die ſie noch eben bewegt hatten, waren vor den mildern Regungen des Mitleids und der Andacht gewichen. Da er⸗ ſchallte aus der Ferne kriegeriſche Muſik— der wohlbekannte Himno de Riego— dann der ge⸗ ſchloſſene raſche Schritt einer geordneten Kriegs⸗ ſchaar, und gleich darauf zog eine ſtarke Infan⸗ teriecolonne unter dem Rufe:«Es lebe die Con⸗ ſtitution! es lebe Riego!» uͤber den Marktplatz weg. Der Anfuͤhrer, von mehreren Offizieren um⸗ geben, ritt auf dieſe ſonderbare Gruppe los, und als er das ſchoͤne, blutige Opfer dort liegen ſah und den Schmerz der Umſtehenden bemerkte, betrach⸗ tete er ſie einen Augenblick mit ſtiller Ruͤhrung und Verwunderung. Es war Riego ſelbſt. Antonio,
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