Skizzen aus Spanien. 393
Mutter, daß ſie Euch hergefuͤhrt hat, Pater Hi⸗ lario. Jetzt ſterbe ich gern. Betet mit mir, Va⸗ ter, und gebt mir die Abſolution.“— Mit ſchwaͤcherer Stimme, zu ihrem Bruder gewandt, fuhr ſie fort:«leb wohl, Bruder. Ich will fuͤr dich beten. Gruͤß Vater und Mutter.“ Rojas erkennend, nickte ſie ihm freundlich zu, und ſah dann den Geiſtlichen noch einmal, wie bittend, an. Der alte Mann ſuchte ſeinen Schmerz zu bemei⸗ ſtern, kniete neben der Sterbenden, und begann mit lauter Stimme die uͤblichen Litaneien zu beten⸗ Dolores verſuchte die Haͤnde zu falten, allein der zerſchmetterte linke Arm verſagte ihr den Dienſt, ſie wimmerte ſchmerzlich zuckend. Chriſtoval machte eine krampfhafte Bewegung, als wollte er auf⸗ ſpringen, Dolores aber legte ihre rechte Hand wieder auf ſein Haupt, ſchloß die Augen und be⸗ tete dann, ſtill die Lippen bewegend. Die mei⸗ ſten Umſtehenden knieten mit entbloͤßtem Haupte in ſtillem Gebet. Die Soldaten ſahen, auf ihre Gewehre gelehnt, mit ernſter Ruͤhrung zu.— Der Prieſter hatte ſein Gebet vollendet, er hielt der Sterbenden ein Crucifix hin, was ſie mit Heftigkeit an ihre Lippen druͤckte, dann gab er ihr die Abſolution, ſeine Stimme verſagte ihm,


