392 Skizzen aus Spanien.
hauſe lag, in den Armen einer der Frauen, Do⸗ lores. Von der zerſchmettert herabhaͤngenden Schul⸗ ter floß das Blut in Stroͤmen, blaß und mit geſchloſſenen Augen, beſinnungslos lag ſie da. Neben ihr ſtand Antonio, mit Beihuͤlfe eines ehr⸗ wuͤrdigen alten Geiſtlichen, der eben herbeigetre⸗ ten war, vergeblich bemuͤht, das Blut zu ſtillen. In ſtummer Verzweiflung richtete er ſich eben auf, als der junge Offizier herantrat, mit dem ſchmerzlichen Ausrufe:«gerechter Gott! Don Antonio, muͤſſen wir uns ſo wiederſehen!“— Antonio erkannte mit Muͤhe den jungen Rojas, ſo ſehr hatten Entbehrungen, Beſchwerden, Kummer und Leidenſchaften den Ausdruck frohen Jugend⸗ muth's verdraͤngt. In dieſem Augenblick kam die Verwundete wieder zu ſich. Sie oͤffnete die großen Augen, und ſah ſich mit einem ſchmerzlichen Laͤcheln um:„Chriſtoval!“» ſagte ſie mit matter Stimme. Chriſtoval kniete zu ihren Fuͤßen, ihre Knie umfaſſend, und das Geſicht gegen den Stein gepreßt. Er ſprach kein Wort, und ſchien re⸗ gungslos, nur daß der Schmerz ſeine ganze Geſtalt durchzuckte. Dolores legte ihre Hand auf ſein Haupt, dann den Geiſtlichen erken⸗ nend, ſagte ſie:«gelobt ſei die ſchmerzenreiche


