————
Skizzen aus Spanien. 395
der ihn und die meiſten ſeiner Begleiter gekannt hatte, mußte, trotz ſeines Schmerzes, die Veraͤn⸗ derung bemerken, welche in ihnen vorgegangen war. Riego war in den letzten ſechs Mona⸗ ten um viele Jahre gealtert. Sein Haar war er⸗ graut, und der Ausdruck von Milde, von edler Begeiſterung, der ſonſt ſeine ſtarken Zuͤge ver⸗ ſchoͤnerte, hatte einem Ausdruck von tiefem See⸗ lenſchmerz und Mistrauen Platz gemacht. Ver⸗ zehrender Kummer und raſtloſe Thaͤtigkeit hatten ſeine Stirne tief gefurcht. Selbſt die Begeiſterung, die noch aus den tiefliegenden Augen hervorgluͤhte, hatte etwas Finſteres— es war die Begeiſterung der Verzweiflung. Seine Begleiter ſchienen die Gefuͤhle des geliebten Fuͤhrers zu theilen, nur daß bei den meiſten offenbar die wildern Leidenſchaften der Rache und tiefen Ingrimmes vorherrſchten. — Die voruͤberziehenden Krieger boten einen auf⸗ fallenden Gegenſatz dar, durch ihre wirklich krie⸗ geriſche Haltung und die bunte Unordnung in ih⸗ rem Aeußern. Es waren Soldaten von verſchiede⸗ nen Regimentern darunter, welche aus eigenem Antriebe an dieſem letzten, verzweiflungsvollen Verſuch, die Sache der Conſtitution zu retten, Theil genommen hatten. Die Mehrzahl beſtand


