Teil eines Werkes 
5. Th. (1833)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

386

gung faͤhig war, ſtaͤrkte ſie ihn durch das Vorleſen ſol⸗

cher Schriften, welche den Menſchen veredeln, indem

ſie ihn an ſeinen Zuſammenhang mit dem Weltall erin⸗

nern. Er war ſehr fruͤh von dem Irrthum, eine ge⸗

meine Dienerin vor ſich zu haben, zuruͤckgekommen;

ſobald ihm aber ſein Zuſtand Theilnahme am Geſpraͤch geſtattete, erfuhr er von ſeiner guͤtigen Wirthin, daß Friedlef eine Freundin ſei, die ein frommer Sinn ver⸗ moͤchte, ſich der Krankenpflege zu weihen. Wohl, mit Geluͤbdestreue erfuͤllte ſie an Alphons dieſen frommen Beruf, doch nur ſpaͤrlich ward ihre Muͤhe belohnt.

Seine Augen waren unwiederbringlich erblindet, und

uͤber den Ausdruck ſeiner Geſichtszuͤge erhielt die Seele

keine Gewalt mehr. Auch ſeine Sprachfertigkeit kehrte

zuruͤck, wenngleich auf immer ſeine Stimme Kraft und Klarheit verlor. Die ihn nie gekannt hatten, blickten 4 wehmuͤthig in ſein entſtelltes Geſicht; denen dieſe wuͤ⸗ ſten Augenſterne einſt Wohlwollen, dieſe ſtarren Wan⸗ gen Freude laͤchelten, die haͤtten wol in Schmerz ver⸗ gehen moͤgen bei dieſem Anblick.

Auf die Briefe, welche Friedlef an Alphonſens Va⸗ ter hatte ſchreiben muͤſſen, kam Antwort, doch von Alwinen brachten ſie keine Kunde. Traurig und ſchwei⸗ gend hoͤrte der arme Geneſende zu, wie Friedlef ſie ihm

vorlas. Er war noch ſo ſchwach, daß er den Eindruck der Fehlſchlagung nicht zu beſiegen vermochte. Seine ſtarren Wangen fuͤhlten die Thraͤnen nicht, die ſeinen Augen entquollen, aber brennend fielen ſie auf Friedleſ's Herz denn Friedlef war ja die Alwina, um die ſie floſſen. Nach allen Seelenſtuͤrmen, welche ihren Brautſtand