Teil eines Werkes 
5. Th. (1833)
Entstehung
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V

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Werth. Friedlef ſchrieb dies ſchweigend in den Brief. Alphons fuͤrchtete, die Muͤhe ſei ihr laͤſtig, er ſuchte ihre ſchreibende Hand, faltete ſeine beiden um ſie her und wandte ſein armes verhuͤlltes Geſicht in der Stel⸗ lung eines Flehenden zu ihr hin. Ploͤtzlich hoͤrte er ſie zu ſeinen Fuͤßen ſtuͤrzen, ſie druͤckte ſeine Hand an ihre Lippen, an ihre Bruſt, und ihr Weinen trotzte dem Bemuͤhen, es zu verhehlen. Alphons war beſtuͤrzt, daß eine Fremde ſo lebhaft fuͤr ſein Leiden empfand. Doch meinte er, daß ein ſo energiſcher Ausdruck des Gefuͤhls den Kurlaͤndern vielleicht von ihren Nachbarn, den Polen, uͤberkommen ſei, deren dramatiſcher Aus⸗ druck den Fremden oft auffaͤllt. Dankbar fuͤr ihre Theilnahme, und jedes andern Mittels, ſich auszudruͤcken, beraubt, ſtreichelte er ihre Wange, und ohne ſich deſ⸗ ſen bewußt zu ſein, erweckte ſein Taſtſinn in ihm die überzeugung, Friedlef ſei auch leidend und krank, denn er hatte ſeine Hand an eingefallene Wangen gelegt. Wunderbar machte er ſich nun von Friedlef ein Bild, das Alwinens Zuͤgen glich, und die Unfaͤhigkeit, durch Worte ſeine Ideen mitzutheilen und dadurch zu zer⸗ ſtreuen, zugleich mit der Schwaͤche ſeines Kopfes, ließ dieſe dunkle Vorſtellung ſo feſte Wurzel ſchlagen, daß ſie ſich bei ſeiner Geneſung in ihm vorfand und nicht mehr verloſch. Friedlef hatte alle Eigenſchaften, ſie zu naͤhren. Wie ein Schutzgeiſt umgab ſie ihn, er⸗ ſparte ihm das Gefuͤhl ſeiner Huͤlfloſigkeit durch das ſinnreichſte Zuvorkommen ſeiner Wuͤnſche, hob durch heitre Geſpraͤche, durch ſeelenerhebende Vorſtellungen ſeinen ermatteten Geiſt, und ſobald er einiger Anſtren⸗ V. 25