11
Mittel, um den Sohn in dieſem traurigen Falle zu unterſtuͤtzen; der alte Vater ſammelte Muth, um ſei⸗ nem von der Vernunft vorgeſchriebenen Entſchluß ge⸗ treu zu bleiben. Heinrich hatte einen Univerſitaͤtsfreund, Konrad Erb, er hatte ſich, armer Ältern Sohn, einzig durch eignen Fleiß zu einem vortrefflichen Schuͤler ge⸗ bildet, war aber dadurch verſpaͤtet und drei Jahre aͤl⸗ ter als Heinrich, wie er mit dieſem zugleich nach der Doctorwuͤrde ſtrebte. Konrad fand bei angeſtrengtem Fleiß Nebenſtunden, wo er ſich an den claſſiſchen Dich⸗ tern mehrerer Voͤlker und Zeitalter erquickte, und ſeine Phantaſie, weich wie ſein Herz, veredelte ſeine, oft an die Herabwuͤrdigung der Menſchen erinnernde Wiſſen⸗ ſchaft; denn Konrads Lage noͤthigte ihn, vor Allem nach Praxis zu ſtreben. Geſchmack an Dichtkunſt und gleiches Brotſtudium brachte die beiden Juͤnglinge zu⸗ ſammen, das Beſte eines Jeden verband ihn mit dem Andern, aber Heinrich empfing, Konrad gab mehr in dieſem Bunde, Beiſpiel, Rath, die herzlichſte Bemuͤ⸗ hung, Heinrich zu ernſtlichen Anſtrengungen in dem ſelbſt gewaͤhlten Fache zu vermoͤgen. Es war umſonſt. Heinrich lernte vielerlei, aber nie das Zweckmaͤßige, im Gegentheil ekelte dieſes ihn als ſolches an, wenn er es vielleicht ein Jahr vorher als Zeitvertreib geuͤbt hatte. Auf dieſem Wege kam er dahin, nach drei Jahren ſei⸗ nem Vater redlich zu geſtehen, daß er zu einem Exa⸗ men, wie ſein Ehrgeiz es verlange, unfaͤhig ſei; daß er wohl eingeſtehe, ſeinen Zorn zu verdienen, daher er auch freiwillig auf ſeine fernere Unterſtuͤtzung verzichte. Er theilte Konrad ſeinen Entſchluß zu dieſem Geſtaͤndniß


