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Der Freischulze : eine Erzählung / von Moriz Horn
Entstehung
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Von dem Bruder und Gertrud geführt trat der Frei⸗ ſchulze von Tannengrün ein. Angegriffen wie er war, mußte er ſich in einen Stuhl niederlaſſen; zufällig war es der nämliche, auf dem er am Tage der Eidesleiſtung ge⸗ ſeſſen hatte.

Kein Laut ſtörte die Todtenſtille, die in dem Raume herrſchte; jede Bruſt war beengt und wagte erſt dann frei zu athmen, als Chriſtian ſich erhob und, geſtützt auf die Lehne, ſprach:

Jede Uebelthat, die der Menſch in der Welt voll⸗ bracht, wird geſühnt, ob ſpäter, ob früher, ob durch den Thäter aus freiem Antriebe, oder durch die unſichtbaren Gewalten, denen er durch die That heimfiel, getrieben. Die ewige Weisheit hat es ſo geordnet; vor ihr beuge auch ich mich; aber nicht Umſtände, nicht unſichtbare Gewalten ſollen an mir die Sühne vollbringen, dazu bin ich, Euer Freiſchulze, zu ſtolz; ich ſelbſt klage mich an. Hier iſt das echte Teſtament, das Wenzel behalten, als er das falſche unterſchob. Mit ſeinem Blute iſt es getränkt; er fiel von meiner, von der Hand eines Meineidigen. Ihn getödtet zu haben bereue ich nicht, aber daß ich Urſache am Tode meiner guten Mutter bin, kann mir nur ihr ſeliger Geiſt einſt vergeben.

Dies Bekenntniß hatte der Freiſchulze vor Euch ab⸗ zulegen; das Weitere, wie die That geſchehen, gehört vor Moriz Horn: Der Freiſchulze. 17