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Der Freischulze : eine Erzählung / von Moriz Horn
Entstehung
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„Freilich findet man einen letzten Willen und zwar dieſen hier.“

Wenzel nahm aus ſeiner Jagdtaſche ein ſorgfältig eingeſchlagenes Papier und entfaltete es vor Chriſtian.

Dieſer trat entſetzt zurück, denn täuſchend war des Vaters Handſchrift nachgeahmt.

„Nicht wahr,“ fuhr Wenzel fort,„ich habe die Zeit, ingleichen das geliehene Modell, das ich hiermit zurückgebe, gut benutzt und ein Teſtament errichtet, womit Ihr zu⸗ frieden ſein könnt?“ ℳ

Chriſtian überlief ein eiſiger Schauer.

„Nein!“ rief er aus,„nein, ich will meine Hand hier nicht im Spiel haben.“

„So! nun, wenn Ihr zum Geſpött des Dorfes herum⸗ laufen wollt, meinetwegen, denkt aber an jene Schmach am Hochzeitstage Eures Bruders!“

„Teufel, woran erinnert Ihr mich!“

„Weiter bedenkt,“ fuhr Wenzel mit kalter Ruhe fort, „daß Ihr als Freiſchulze das Recht habt, entweder den Richterdienſt ſelbſt zu verwalten— und darauf würde ich beſtehen, um dem Herrn Gerichtshalter den Schimpf zurück⸗ zugeben— oder einen Richter zu beſtellen; wollt Ihr auch hierin Eurem Brudernachſtehen? Im Uebrigen wiſſen wir ja noch nicht mit mathematiſcher Gewißheit, ob Ihr wirklich im Teſtament übergangen ſeid; iſt das nicht der Fall, nun, ſo ſchadet meine Arbeit nichts.“*