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Der Freischulze : eine Erzählung / von Moriz Horn
Entstehung
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Canzlei des alten Gerichtshalters geſeſſen, mehr nicht ge⸗ lernt? was wolltet Ihr nach der Teſtamentseröffnung für entſcheidende Schritte thun? Wenn Ihr auf den Pflihhtheil ehrbar eingeſetzt ſeid, ſo könnt Ihr und Euer Advocat, der nichts Beſſeres thun kann und wird, als jenen Pflichttheil etwas verringern, Schritte machen, ſo lang Ihr wollt, Ihr richtet nichts aus. Und daß Ihr nicht Freiſchulze werdet, darauf leiſte ich jeden Eid; man müßte doch wahrhaftig kein Auge im Kopf und keinen Gedanken im Hirn gehabt haben, um nicht zu wiſſen, daß Ihr eigentlich ſchon lange nicht mehr zur Familie gehört.“

„Leider habt Ihr recht, Wenzel.“

„Mit Klagen und Seufzen iſt nichts ausgerichtet, die Zeit will die That ſehen.“

„Wie meint Ihr das?“

„Ich werde ſogleich deutlicher werden, zuvor aber will ich Euch noch ſagen, daß ich das, was ich für Euch gethan habe und noch thun will, ohne allen Eigennutz ausführe; eher könnte man mir Schuld geben, ein klein we⸗ nig Haß laufe dabei mit unter, ich erinnere Euch an Ger⸗ trud, das leibhaftige Ebenbild ihrer Mutter, möchte ihr gern etwas zurückzahlen. Doch nun zur Sache; kurz und bündig, das Teſtament Eures geſtrengen Vaters muß aus dem Archiv verſchwinden, und Ihr müßt mir dabei helfen.“

„So? was wird dann, wenn man es nicht findet?“