8*
21
meint hat, entweder Euer Thier oder Ihr ſeid krank, denn ſo einen langſamen Trott iſt man von Euch nicht gewöhnt.“
Der dieſe Worte dem aus ſeinem Hinbrüten aufge⸗ weckten Schulzen zurief, war Niemand anders als der Thierarzt Seeber aus Holzhauſen, ein Mann, der bereits zu Vaters Zeiten im Richtergute verkehrte und dort wegen ſeiner ungewöhnlichen Kenntniſſe des Thierlebens und ſei⸗ ner Kuren halber in großes Anſehen ſich geſetzt hatte.
„Macht, was Ihr wollt, Herr Andreas“— der Roß⸗ arzt pflegte den Freiſchulzen, den er als Kind gekannt und auf den Armen„manch liebes Mal“ getragen hatte, da⸗ mals nur beim Vornamen zu nennen, jetzt aber, da er das nicht mehr für ſchicklich hielt, Herr davor zu ſetzen— vor⸗ bei kommt Ihr nicht, Ihr ſeid mein Gaſt.“
Andreas fühlte ſich durch die herzliche Anrede des alten Mannes freudig berührt, es war ihm, als könne er bei die⸗ ſem Hauſe nicht vorbeireiten, auch ſein Roß bog den glän⸗ zenden Hals herum und ſein braunes Auge ſchien zu ſagen: ich dächte, wir blieben hier.
„Was feiert Ihr denn für ein Feſt?“ fragte er.
„Erbrichter, Schulze Andreas“, rief der Thierarzt, der ſchon lange neben dem Reiter ſtand, und dem Pferde ein Stück Zucker mit herausgebracht hatte, deſſen Größe auch auf häusliche Feſtivität ſchließen ließ, an welcher die Hausfrau das gewöhnliche, durch weiſe Sparſamkeit ge⸗ botene Volumen überſchreiten zu müſſen glaubte,—„Erb⸗


