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Der Freischulze : eine Erzählung / von Moriz Horn
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an ihrer Bruſt jener ganz vergeſſen, wie ein Kind, das an dem Buſen der Mutter ſein Leben auch nicht kennt. Aber von hoher Bedeutung iſt dieſer Wechſel und eine recht ſicht⸗ bare Schrift von der Hand des Herrn, die uns von hier nach dem Dort weiſ't. Betrachtet im Winter die erſtorbene Fläche, die ſtarrenden Bäche, dieſe kahlen, ſaftloſen Bäume! Wer von uns würde es wohl glauben, wenn er es nicht eben, wie ich vorhin ſagte, von Kindesbeinen an wüßte, daß dieſe Flächen mit den grünenden Saaten unſere Augen erfreuen, jene ſtarren Bäche wieder zwiſchen blumigem Ra⸗ ſen und belaubten Haſelſtauden murmeln, daß dort die Bäume lieblichen Schatten ſtreuen und Früchte bringen werden? Gewiß Niemand. Vergleiche ich nun die Zeit, da Schmerz und Leid unſere Lebensgefilde erſtarrt, ſeine Blüthen zerſtört mit der Strenge des Winters,— ſo ſteht doch hinter dieſer Zeit auch der Frühling bereit, mit ſei⸗ nen Blüthenketten und Blumenkronen unſer Daſein zu ſchmücken.

Nun komme ich auf meine obigen Worte zurück. Der Blick durch dieſes Fenſter zeigt uns, daß eine junge Kraft den Schooß der Erde ſchwellt, ſchon weicht der ſtarre Froſt, ſchon treibt die des überläſtigen Zwanges müde Welle die Eisſchollen fort, ſchon zeigt das kleinſte Reis, das wir von dem erſten beſten Strauch brechen, daß es nicht erſtorben iſt, vielmehr Alles daran ſetzt grün zu werden und zu blühen.

Moriz Horn; Der Freiſchulze. 2