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In der Kirche hatte der Schulze einen beſonderen Glasſtuhl, in dem man ihn mit der Frau und ſpäter dem Sohne, unſerm Chriſtian Andreas, keinen Sonntag vermißte. Sein Eheweib ſtammte aus der Verwandtſchaft. Frau Si⸗ bylle war das Gegentheil ihres Mannes, eine frohe, heitere Natur, die faſt ſtets bei Ausübung ihres Hausregimentes ein Liedchen auf den Lippen hatte. Konnte Jemand dem ſtren⸗ gen Ehewirth ein Lächeln abgewinnen, ſo war ſie es, wenn er die kleine, rührig⸗lebendige Frau unbemerkt beobachten konnte.
Sibylle hatte allerdings in ihren Mädchenzeiten wohl von einer andern Zukunft geträumt, und mehr dem Willen der Eltern als ihrer Neigung folgend dem ernſten Bewer⸗ ber ihre Hand gereicht. War ſonach auch das rechte Bin⸗ demittel, die im Manne der Wahl aufgehende Liebe des Weibes nicht vorhanden, die Achtung vor ſeinen Vorzügen und die Bindemittel des Verſtandes und Herzens traten an die Stelle jener; als aber ihr Andreas geboren wurde, ſchloß ſich das weibliche Gemüth innig an das Kind, und in dieſem auch inniger als je an den Vater.
So finden wir denn im Richtergute ein ſtill einfa⸗ ches Leben, das ohne von Stürmen beunruhigt und be⸗ wegt zu werden, in wohlthuender, die Luſt am Daſein för⸗ dernder Ruhe dahinfloß.—
Andreas hatte das zwanzigſte Jahr erreicht, als der erſte Sturm über den jungen Baum dahinfuhr. Im Dorfe


