2 und zwiſchen Studium und Jugendgenuß ein Leben hinterbringe wie Andere mehr.
Die Aeußerungen ſeiner Abſonderlichkeit, ſeine Neigung nach Ungewöhnlichem, nach Neuem, nach Auffälligem entſprang aus dem erhöhten Bedürfniß, täglich und ſtündlich ſich ſeines Daſeins froh be⸗ wußt zu werden; Lebenskraft und Lebensmuth war die Quelle ſeiner Lebensweiſe. Er hielt ein ausführ⸗ liches Tagebuch, und jeder Tag, den nicht ein be⸗ merkenswerthes Ereigniß auszeichnete, den nicht Freud oder Leid mit einem vollen Strahl berührt, galt ihm ein verlorener und wurde nicht verzeichnet. Dennoch fehlten in ſeinem Kalender jedes Jahr nur ſehr wenige Tage. Er war damals ein glücklicher Menſch.
Seit ich ihn zum letzten Male geſehen, ihm zum letzten Mal die treue Hand gedrückt, waren viele Jahre über's Land gegangen. Das war auf dem Bahnhofe zu P., wohin wir dem bemooſten Haupte das Geleite gegeben. Er ſprang raſch in den Wagen, und als der Zug von dannen fuhr, winkte er uns noch lange mit einem Schnupftuch zu, das die Farben unſerer landsmannſchaft⸗ lichen Abzeichen trug, während wir Zurückgebliebenen ihm ein donnerndes Hurrah nachſandten. Wir haben Hurrah geſchrieen, ſehr lautgeſchrieen, und das in einem öffentlichen, wohlgezimmerten Bahnhof germaniſcher Nation— das mußte lange, recht lange her ſein.


