Ich bin überzeugt, wenn ein Portrait von Laura zu fin⸗ den wäre, zu welchem Preiſe immer, ſie würde ihre Sparkaſſe leeren und ihm einen Ehren⸗Platz im Mu⸗ ſeum⸗Antoine anweiſen. Sehen Sie, durch ihr groß⸗ artiges Eingehen in mein unbegrenztes Vertrauen hat ſich dieſes Weib meiner ganzen Liebe und Anhänglichkeit ſo ſehr bemächtiget, daß ich eigentlich nur noch in ihr lebe. Von der Stunde an, wo ſie mir völlige, vollkom⸗ mene Freiheit gab, wo ſie mir mit dem Ausdruck innig⸗ ſter Wahrheit jedes Vorrecht eines ungebundenen, freien Menſchen wieder einräumte;— von dieſer Stunde iſt es mir nie mehr, aber auch im Traume nicht eingefallen, davon Gebrauch zu machen. Ich habe Liebenau nicht verlaſſen ohne Hedwig. Ich könnte es nicht. Und wenn(wie in den kürzlich vergangenen Wochen) unſere Verhältniſſe erheiſchen, daß Eines von uns Beiden rei⸗ ſen, das Andere aber zu Hauſe hüten muß, ſo ſchick' ich ſie fort, damit ich wenigſtens, wenn ich denn einmal ihren Umgang und ihr Geſpräch entbehren ſoll, in den Räumen weilen dürfe, die ſie bewohnt.
Gräfin Julia ſagt immer, es müßte auf einer großen Univerſität ein eigner Lehrſtuhl für angehende Eheweiber und Hausfrauen errichtet werden und die erſte Profeſſur müßte Hedwig haben, die dann weiter Nichts vorzutra⸗ gen hätte, als durch welche einfachen, natürlichen und doch ſo geiſtvollen Mittel ſie einen raſtloſen Vagabunden zum glücklichſten Philiſter umgeſchaffen, der ſeine unum⸗ ſchränkte Freiheit blos dazu benützt, den Pantoffel zu küſſen. Die Gräfin behauptet, aus Hedwig's Schule


