Teil eines Werkes 
3. Bd. (1857)
Entstehung
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Kraft fand, meine glühendſten Zähren zurückzuhalten, mit hellem Blick und ſicherer Hand dieſe Worte zu ſchreiben, ſo gewiß will ich durchführen, was ich hier beſchworen!

Einundachtzigſtes Kapitel.

Drei Wochen ſind vergangen. Hedwig hat mit Be⸗ willigung des Arztes ſich heute vom Lager weg auf einen großen, wundervollen Lehnſtuhl, ein Geſchenk der Gräfin Julia, begeben. Dieſe, noch immer in Liebenau anwe⸗ ſend, weil ſie der Taufe beiwohnen will, hat im Verein mit Ottilie jeden Hauch der Leidenden bewacht, iſt ihr in jenen bangen Nächten mütterlich treu zur Seite geſtan⸗ den, hat aber auch ſehr genau und ſcharf beobachtet, welchen Eindruck der drohende Verluſt ſeiner Frau auf Anton geübt, mit welcher Stimmung dieſer aus den Todesängſten hervorging. Sie theilte ihre Meinungen darüber der treuen Ottilie mit, und Beide ſagen:Gott ſei Dank! Er liebt ſie mehr als je!

Heute findet die Taufe ſtatt.

Paſtor⸗Puſchel erbot ſich, dieſe Handlung im Schloſſe vorzunehmen, doch Gräfin Julia war dagegen und beſtand darauf, daß es in der Kirche vor ſich gehe. Wenn wir Winter hätten und harte Kälte, ſo würd' ich den Paſtor ſelbſt erſuchen, das Kind im Zimmer zu taufen, hatte ſie geäußert; aber jetzt, beim ſchönſten Sommer, warum ſollen wir nicht ebenſo gut in die Kirche gehen, wie alle Leute aus dem Dorfe?