— 259— Dieſer Schlaf kann der Tod ſein, der ſie nie mehr
erwachen läßt!
Aber es kann auch der Engel ſein, der ihr Geneſung bringt! 1
Ach, wenn es wäre! Wenn morgen mit Tages Anbruch der Arzt ausriefe: ſie iſt gerettet!—
Höre mich, Du Ewiger, den wir Gott nennen, an den auch der Gottesleugner glaubt in ſeiner hochmüthi⸗ gen Beſchränkung, in ſeiner ſpitzfindigen Dummheit. Höre mich, unerforſchliche Macht! Hier ſteht es in feſten, deutlichen Schriftzügen, ein Zeichen meines unerſchütter⸗ lichen Willens, meiner innigſten Ueberzeugung. Nicht Angſt und Pein des Augenblickes, nicht wandelbare Zer⸗ knirſchung, die vor Gefahren kriecht und im Staube ſich windet, nach überſtandener Gefahr aber neu zu trotzen wagt! Nein, klares Wollen, aufrichtige Selbſterkenntniß, männliche Beſonnenheit führt meine Feder, und ich gelobe es mir,— und Dir, Unſichtbarer!— wenn Hedwig wieder auferſteht vom Grabe, wenn ſie noch einmal lebt und liebt,— nie mehr wird ein kindiſcher Wunſch, ein eitles Trachten, eine bange Regung ſo viel Einfluß über mich gewinnen, daß ich ihnen das Recht einräumte, ſich zwiſchen mich und meinen Frieden zu ſtellen. Welche Träume im Herzen mir auftauchen mögen, das kann ich heute nicht wiſſen; aber daß ich ihrer Herr werde, daß ich als Sieger aus jedem Kampfe mit ihnen hervorgehe, das ſchwör' ich mit heiligem Eidſchwur, bei der qualvollen Prüfung dieſer Stunde. So gewiß, wie ich jetzt die
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