nen: ich habe ſie verdient. Ja, ich habe ſie verdient, da ich wahnſinnig gemurrt und geklagt, daß ich meine Frei⸗ heit einbüßte; daß ich nicht mehr, wie früher, ohne Pflicht, ohne Beruf planlos umherſchleudern und jeder Lockung des Augenblicks, ſei es immerhin die nichtigſte, frivolſte, nachgeben dürfe; daß ich meiner Jugend durch den Ehe⸗ ſtand beraubt ſei. Undankbar gegen Gott und Menſchen bin ich geweſen; ruchlos verkannt und geringgeſchätzt hab' ich die Fülle von Segnungen, die mir Unwürdigem zu Theil ward: und die zürnenden Mächte hab' ich auf⸗ geſtört durch leichtſinnigen Frevel! Treue Liebe und Hingebung ſtanden mir zur Seite,— ich ſehnte mich nach Freiheit! das heißt: ich wünſchte mir die Tage zurück, wo ich kein Herz, keine Seele mein nennen dürfen? Da
wirſt Du nun bald empfinden, was es heißt, wieder
allein ſteh'n. Da wirſt Du nun bald wieder frei ſein, Elender, und wirſt nicht wiſſen, was Du anfangen ſollſt
mit Dir und Deiner Freiheit! Blutige Thränen wirſt
Du weinen, Thränen fruchtloſer Reue, vernichtenden Jammers, wenn ſie die bleiche Geſtalt hinaustragen, die Dein liebendes Weib war, als Leben und Blut durch ihre Adern ſtrömte. Hedwig, Hedwig, nicht mehr leben? Todt, begraben ſein, die ſanfte, gute, ſchöne Hedwig!? Ich zitt're, wenn eine Thüre geht, daß ſie kommen, mich zu holen, mir zu künden, ſie habe vollendet. Ich zitt're, wie der arme Sünder, wenn ſeine letzte Nacht vor dem letzten Morgen entflieht. Sie ſchlief, da ich ſie verließ.


