Teil eines Werkes 
3. Bd. (1857)
Entstehung
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1 Vom IJ. Juni.

Welch' ein Gefühl! Ich bin Vater!! Ein Kind iſt da, welches lebt, athmet, die Augen öffnet! Und dies iſt mein, iſt Hedwig's Kind!

Noch bin ich nicht im Stande, mir über meine Empfindungen Rechenſchaft zu geben. Auch weiß ich nicht, was meine Freude ſtört! Ich vermag mich meiner ahnungsſchweren Beſorgniß um Hedwig kaum zu entſchlagen.

Vom 2. Juni. Ich muß zu dieſen Blättern meine Zuflucht nehmen. So manchen heißen Gram hab ich in einſamen Stunden

dem Papiere anvertraut. Mag ſich auch jetzt die ſchwerſte

Bangigkeit meiner Seele ſchreibend Luft machen. Hedwig

iſt ſehr krank; ihre Mattigkeit nimmt mit jeder Stunde

zu; ſchon lächelt ſie nicht mehr, wenn man ihr das Kind zeigt; ſchon erwiederte ſie kaum mehr den Druck meiner Hand. Die Gräfin und Ottilie ſitzen mit ernſtem Schweigen vor ihrem Bette, mich ſehen Sie bedauernd von der Seite an. Der Arzt ſpricht von Hoffnung, die man nie ganz aufgeben dürfe, von unerwarteten Wun⸗ dern, die eine gute Natur bewirkt! O, man kennt dieſe Sprache. Sie iſt die Einleitung in das große Trauer⸗ ſpiel! Alſo dieſe Strafe wäre mir zuerkannt? Sie iſt furchtbar ſtreng; doch wehe mir, ich darf nicht leugnen, daß ſie gerecht iſt! Auch unterliegend, muß ich's beken⸗ Holtei, Vagabunden. III. 17