Teil eines Werkes 
3. Bd. (1857)
Entstehung
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256. w. erduckte! Was ſollen mir die Boten der Frei⸗ heit? ich bin nicht mehr frei. . Vom 20. April.

Gräfin Julia meldet, ſie wolle mit Anfang Mai ihren Einzug in Schloß Liebenau halten und habe ſich ſo eingerichtet, daß ſie bei uns weilen könnebis zur Taufe! Die edle, liebenswärdige Frau! Wie freu' ich mich, ſie wieder zu ſehen und zu hören! Wahrlich, die Beſchreibung meiner ſeligen Mutter paßt noch immer auf ſte, obgleich ſeitdem mehr als ein Vierteljahrhundert vergangen iſt.

Vom 15. Mai.

Die Gegenwart der Gräfin ſollte, wie ich gehofft, beruhigend, wohlthätig auf mich einwirken. Leider iſt dem nicht ſo. Ich fühle mich noch ungeduldiger, als ehe ſie ankam. Wenn ſie ihr geiſtvolles Auge, wie fragend, auf mir weilen läßt, wird mir zu Muthe, als läſe ſie in meinem Innern! Als erriethe ſie, welch' eine Thorheit mich martert! Und das ängſtiget mich; ich ſchäme mich vor ihr. Nein, ſie darf nicht entdecken, daß der Vagabund in mir ſein Weſen treibt! Was würde ſte dazu ſagen, deren Großmuth mich ſo königlich beſchenkte? Sie, der wir Alles verdanken! Sie darf nicht wiſſen, daß ich meines Glückes unwürdig bin. Sie würde mir zürnen. Oder ſie würde, nicht höhniſch, denn das vermag ſie nicht, ſie würde mitleidig⸗lächelnd die Achſel zucken; und ich müßte vor Beſchämung in den Erdboden ſinken. Nein, ſie darf's nicht entdecken!