Teil eines Werkes 
3. Bd. (1857)
Entstehung
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Laſſen Sie mich, rief er aus, gleich heute mein Probeſtück ablegen: vertrauen Sie mir einige Röllchen an. Wo iſt das Buch, aus welchem Sie ſpielen? Ich will's eiligſt überleſen, und dann mögen Sie entſchelden, ob Sie mich gebrauchen können.

Ein Buch? antwortete Herr Dreher;ein Buch, mein Lieber, giebt es nicht; weder die Belagerung von Bethulia, noch irgend ein ander Stuckiſt aufgeſchrieben. Wir Puppenſpieler ſind eine alte Zunft, ein Ueberbleibſel ausdie finſtre Zeiten! Bei uns erbt ſich's von Vater auf Sohn, Einer lernt vom Andern auswendig, und hernach trägt man die ganze Geſchichte im Kopf mit ſich herum. Jeder von uns hat müſſen einen Schwur able⸗ gen, daß er niemals eine Zeile niederſchreiben will, damit's nicht in unrechte Hände kommt, die uns das Brot wegnehmen. Jetzund leben unſerer vielleicht noch vier, oder drei, von der Nürnberger Schule. Wenn wir ausgeſtorben ſind, ſterben unſere Komödien mit uns aus. Denn das Gelübde müſſen wir halten. Bei mir findet ſich nach meinem Tode auch nicht eine Sylbe vor, nicht gedruckt, nicht geſchrieben. In Berlin freilich haben ſie einen Collegen von mir garſtig betrogen. Da ſind die Gelehrten hinterd'rein geweſen und haben ſich den Doctor Fauſt ſo oft vorſpielen laſſen, daß ſie endlich das ganze Stück mit Bleifedern während der Aufführung auf Papier gebracht, und Einer Horn, glaub' ich, war ſein Name hat's gar drucken laſſen. Das nenn' ich geſtohlen. Uebrigens hat auch ein gewiſſer Goethe einen Fauſt gemacht, aber das iſt gar dummes Zeug: reim'