— 32—
führt werden. Wie Anton eintrat, ſprang ſie auf, als ob ſie gewaltig vor ihm erſchrocken ſei; ihre bleichen Wangen wurden noch bleicher; ihre dunklen großen Augen erglüh⸗ ten in unheimlichem Feuer; ſie betrachtete den Eintreten⸗ den mit peinlich⸗ſcharfen Blicken, als wollte ſie, nachdem ſie nun erſt überzeugt, daß er es wirklich ſei, ſich auch verſichern, ob er nicht augenblicklich wieder verſchwinden werde. Theils dieſe krankhafte Aufmerkſamkeit auf jede ſeiner Bewegungen, theils eine unbeſtimmte Erinnerung, die kranke, elend ausſehende Frau ſchon einmal irgendwo begegnet zu haben, ohne doch im Entfernteſten zu ahnen: wie? wo? und wann? dies machte Anton ſo verlegen, daß er dringend nach Herrn Dreher fragte, als wenn er dieſem die wichtigſten Mittheilungen zu bringen hätte.
„Mein Mann kommt erſt eine Stunde vor Beginn der Vorſtellung heim; wenn Sie ſich ſo lange gedulden könnten?...“
Und bei dieſen Worten zitterte die Frau vor Erwar⸗ tung, was er darauf erwiedern werde.
Sie ſcheinen ſich ſehr übel zu befinden, ſprach er; vielleicht iſt es Ihnen angenehmer, wenn ich mich jetzt entferne, um ſpäter nachzufragen? Ich habe durchaus kein Geſchäft mit Ihrem Manne. Mich führte Nichts hierher, als die Freude, die ich geſtern beim Anhören des verlorenen Sohnes empfunden, und der Trieb, dieſe Freude dem Schöpfer derſelben mitzutheilen.
„Vielleicht würde mein Mann nicht verſtehen, was Sie damit ſagen wollen. Ja, er würde vielleicht arg⸗ wöhnen, es verberge ſich Spott hinter Ihrer Theilnahme.


